Nüchtern im Sommerloch

Während die ZEIT das Sommerloch mit einem Penis stopft, versuchen wir es mal mit einem trockenen Sommer. Das Volk frönt feucht-fröhlichem Bacchanal, wir ergeben uns der Sommerzeit-Traurigkeit. Angekommen auf dem Zenit unserer akademischen Schaffensphase ist unsere einzige Freude an diesen sonnigen Tagen, Bücher nach ihren Covern zu beurteilen, Gesichter und Geschichten hinter den Autoren zu imaginieren, Stichwortregister mit dummen Fragen zu löchern und ISBN-Bingo zu spielen.

Freut euch auf eine neue Reise mit den Mensafreunden, auf der wir weitere absurde Abgründe des akademischen Alltags erkunden!

 

 

 

 

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Fazit

Die Mensafreunde haben ihre Mission erfüllt – alle Mensen in NRW sind durch. Ungefähr 32,50€ haben wir pro Person in den Mensen gelassen, ca. 2200km zurückgelegt. Nicht nur, dass sich das NRW-Ticket damit endlich mal bezahlt gemacht hat, nein, wir haben auch eine ganze Menge Eindrücke gesammelt, unseren Horizont erweitert und einen Regenschirm gefunden! Welche Mensa uns am besten gefallen hat, können Mensafreunde vielleicht zwischen den Zeilen lesen, soll aber hier nicht weiter von Belang sein. Wichtig ist: Jede Mensa ist eine Reise wert, es kommt nur auf das Auge des Betrachters an!

Aber wie soll es jetzt weitergehen? In einem Akt der Selbstfindung haben wir uns auf eine Reise zu unserem zweitliebsten Ort neben der Mensa gemacht, Norwegen! Oslo hin und zurück etwa 2200km, 32,50€ etwa für ein Essen plus Bier…

Natürlich haben wir es uns nicht nehmen lassen auch hier der Mensa einen Besuch abzustatten. Aber es kam alles ganz anders: Die Mensa wird gerade umgebaut, mensa non exista. Dieses völlig neue Bild zeigte uns einmal mehr die Endlichkeit unseres Projekts auf und wir begriffen in der skandinavischen Mittagssonne, dass es Zeit für etwas Neues ist. Was das genau ist, wird sich zeigen, in jedem Fall bleiben die Mensafreunde efficient erfrischend.

Essen gut – Ende gut!

Willkommen zur feierlichen Neueröffnung der Mensa Essen!

Es begrüßen Sie ihre Gastgeber, die Mensafreunde. Wir, die nach 12 Stationen der NRW- Mensareise endlich den Weg in die Heimat zurückgefunden haben, betreten freudig die neuen Pforten des Ursprungsortes unserer  Mensaleidenschaft und schließen den Kreis der Mensationen.

Unser besonderer Gast des Tages ist Koch-Koryphäe Sascha Stemberg, der mit seinem kräuter- und aromabetonten Stil die Mensakost heute auf aller höchstem Niveau gart. Das ist ein fulminanter Vorgeschmack auf die ab heute täglich tätige  Wokstation.

Die Mensa Essen hat sich kulinarisch und ästhetisch in ein neues, modernes Gewand gehüllt. Vegane Gerichte sowie frische Pizza jeden Tag verheißen eine abwechslungsreiche Erweiterung der Standardmenüs.  Das lässt sich an neuen stilvollen Bänken und Tischen doppelt gut genießen.

Liebe Mensafreunde, liebe Essener, seid gespannt auf unzählige Entdeckungen, die ihr in der neuen Mensa Essen machen könnt. Von magnetischem Besteck über Plastikbecher, die gar keine Plastikbecher sind, bis hin zu  einer Kaffeestation in der Zauberkugel – die Mensa Essen ist eine Wundertüte, die das Campus-Leben bereichert!

Paderborn – Das Beste zum Schluss

   

Im unaufdringlichen Ambiente der Mensa Paderborn versteckt sich eine Bastion der gepflegten Mensakultur. Eine Fluchtburg für jene, die auch in der hektischen Mittagspause Stil und Vielfalt begrüßen. Beim preiswerten wie ausuferndem Buffet-Angebot heißt es Klotzen statt Kleckern.

Aus der breiten Aromapalette der kompromisslos erstklassigen Produkte kann sich jeder Mensagast hinreißende Geschmacksbilder komponieren. So ergibt sich beispielsweise ein leicht daher kommender aber raffinierter Anti-Pasti-Teller: Bretonische Bohnen von fantastischer Konsistenz gebettet auf ein zart-weiches Rucola-Kissen, diskret begleitet von einem kongenialen Duo aus  Möhren und Sesam, Artischockenherzen sowie gefüllten grünen und schwarzen Oliven.

Im Zentrum der Haute Cuisine steht eine in sich stimmig komponierte Kreation: Duftender Jasminreis an asiatisch leichter Gemüsekost in exotisch-verspielter Kokos-Zitronengras-Jus. Der zweite Hauptdarsteller ist ein hochkomplexes Gericht, welches puristische Konzentration und  grandiose aromatische Reinheit verbindet. Die Kartoffelpizza setzt ein Ausrufezeichen hinter den unverwechselbaren Stil der Mensa Paderborn.

Übertroffen wird dieser fulminante Gesamteindruck auf dem Weg nach unten in den verwechselbaren anglophilen Universitäts-Pub. Dieser besticht mit heiterer Stimmung an dunkelbraunen – deckenfreien – Holztischen. Mit seinem breitgefächerten Bier-Bouquet pointiert der Pub den Mensabesuch. Unsere letzte mensaphile Entdeckung, in der einem Reiskorn die gleiche Hingabe gewidmet wird wie der Innenausstattung eines Pubs, ist der krönende Abschluss für die Auswärtsspiele der Mensafreunde.

Getaggt mit

Bielefeld – Systemgastronomie

Als Niklas Luhmann an der Universität Bielefeld lehrte, hat er mit seiner Systemtheorie scheinbar einen so großen Eindruck hinterlassen, dass hier selbst die Mensa zum System avancierte. In der Mensa Bielefeld ist alles fast schon provozierend funktionell und effizient.

Eine dunkle Schleuse ersetzt das Mensafoyer, rechts und links zwei Fließbänder, die im Sekundentakt die fertig angerichteten Essenstabletts zutage fördern. Das spart Zeit, Personal und Geschirr. Aber ein solch perfekt funktionierendes System hat seinen Preis: Auf den Setzkasten-Tabletts  hat jede Kartoffel ihren Platz, jeder Soßenklecks ein vorgeschriebenes Volumen. Selbst Desserts und Beilagen sind nicht vom Mensagast selbst zu bestimmen. Eine Gradwanderung zwischen Gleichberechtigung und Gleichschaltung.

Und auch das Personal ist nicht frei in der Ausübung ihrer Profession: Spontane Interaktion mit den Gästen ist schier unmöglich. Ihre einzige Aufgabe ist es, eine Ampel, ein gleichermaßen eloquenter wie unpersönlicher translingualer Code, zu beobachten. Grün, Transaktion erfolgreich abgeschlossen, der Gast darf in die Speisehalle. Rot, ein Fremdkörper, meist Entitäten von außerhalb wie wir, befinden sich im System. In die Systemmensa kann sich nämlich nur eingliedern, wer eine Mensakarte besitzt. Da gibt es keine Ausnahmen, für jeden heißt es: Karte leihen und aufladen.

Das beschreibt nicht nur eine Formalität verwaltungstechnischer Art, sondern Züge von radikaler Massenabfertigung und Mensadiktaktur. Das ist Freunden der gepflegten Mensakultur wie uns eigentlich zuwider. Allerdings sehen wir auch die versteckte Ideologiekritik hinter dem Konzept, Studenten mit einer möglichst kurzen und unangenehmen, wenig ablenkungsreichen  Essensaufnahme auf ihre eigentliche Funktion zurückbesinnen zu wollen: Das Studium.

Mensation: zufriedene Mensagäste, die die Qual der Wahl nicht kennen

Das Haar in der Suppe: verzuckertes Salatdressing

Sursalzprise: Rolltore nach Dienstschluss

Bonn – Politisch Krokett

Im ehemaligen Regierungssitz Bonn ist der alltägliche Mensagang keine profane Triebverrichtung, sondern eine politische Amtshandlung, die erste Bürgerpflicht eines jeden Studenten. Zu Gast in der Volksmensa verschmelzen die Organe von Mensch und Mensa – corps-état voilà.

Die Entscheidung für ein Lager – Fisch, Fleisch, Vegetarisch, Vegan – ist der erste Wahldurchgang. Hier heißt es Farbe bekennen. Schnell muss man mit sich ausmachen, ob das Hauptgericht eine Koalition mit etwaigen Beilagen eingehen kann. Eins ist sicher: Die rote Basis mischt immer mit. Purpurne Teller bei jedem Aufschlag und Nachschlag. Der Dreh- und Angelpunkt des Wahlkampfs ist das Dessertkarussell. Gleich utopischen Wahlversprechen rotiert hier verheißungsvolles Blendwerk, das mit Vorsicht zu genießen ist.

Das vorläufige amtliche Endergebnis: Der Magen ist zu einer ¾-Mehrheit gefüllt.

Mensation: Freie Wähler freie Soßen!

Das Haar in der Suppe: Tortendiagramm zum Nachtisch!

Sursalzprise: Die neue Ess-Klasse: Reden mit Essen!

Münster – Das Märchen vom Schlaraffenland

      

Es waren einmal zwei auf Kohle geborene Töchter, die sich auf die Reise machten, die beste Mensa im Königreich Westphalen zu finden. Ihr Weg führte über viele wunderliche Speisestätten, kreuz und quer kehrten sie ein, schmausten und schmatzten wie königliche Schoßkatzen. Eines Tages gelangten sie an die Tore von Monasterium, wo sie ein ortsansässiger Fuchs mit den Worten „Unsere Mensa, Mensch sagenhaft“ empfing. Sie stiegen empor in den weißgefließten Speisesaal. Der Fuchs gab ihnen ein Tablett-deck-dich und schneller als sie schauen konnten, füllte es sich mit Münsterländer Leckereien. Darunter gab es einen Streuobstwiesensaft, mit Äpfeln aus dem Umland  handgelesen vom kleinen Streutaler. Einer kostenlosen Speise misstrauten sie, deshalb bezahlten sie bei der Meerjungfrau im Kassenaquarium. Sie setzten sich an einen Fensterplatz, wo Herden von Drahteseln durch ihr Blickfeld galoppierten. Hier erfasste sie ein wonniges Glücksgefühl, es war alles so idyllisch und zufrieden. Doch da begriffen die Ausflüglerinnen aus dem Ruhrtal, dass dieses goldpanierte Glück nur klein im ganzen Großen ist. Anstatt in dieser Idylle zu verweilen, entschieden sie sich, dass Glück in die Welt hinauszuschreiben.

Mensation: Architektonische Meisterleistung für Auf- und Abgang der Mensa!

Das Haar in der Suppe:  Aufgewühlte und laute Mensagäste

Sursalzprise: Streuobstwiesenapfelsaft!

  

Köln – Mensa Alaaf!

Pünktlich zur fünften Jahreszeit
Zeigen wir Euch kölsche Gastlichkeit

Einmal um den Grüngürtel rum
Führt der Weg ins Esszentrum

Such dir ‘was aus im Speis‘rondell
Und find‘ die richtige Etage schnell

Dann schnappst‘ dir eine (runde) Platte
Und de Mensamädsche: – Gestatte?

Nun musst ‘n Mensapartner wiederentdecken
Nicht leicht zu finden bei all den Jecken

Veganes Essen gibt’s hier jeden Tag
Und Fleisch für den, der das nicht mag

Für alle, die nicht die gesunde Wahl des Essens beherrschen
(Man sieht‘s an den dicken Akademikerärschen)

Dem hilft die Mensa Köln sehr galant
Mit nährwertoptimierten Menüs aus erster Hand

In dem Konzept gibt’s Obst zu jedem Essen
Die meisten scheinen das zu vergessen

Mensa Köln, wir danken Dir
Und darauf jetzt ein lecker Bier … äh Kölsch!

Ein Haiku für Duisburg

Mittags Blauregen

abgerundet würzig gut

Fischgräten – wohin?